Judas
Studio Bühne Essen (2021)
Eine Art Rechtfertigung
Von Lot Vekemans
Mit Johannes Brinkmann
Regie & Bühne: Stephan Rumphorst
Kostüm & Bühne: Anke Kortmann
Photos: Frank Vinken
Gefördert durch die jugendstiftung des Bistums Essen
Gastspiele in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und NRW
Pressestimmen
„Rehabilitierung eines Verräters (…) Wie ein Entertainer steht Johannes Brinkmann vor uns: mit weißem Schlips zu weißem Hemd und weißem Anzug. Und wie ein biblischer Jünger Jesu barfuß in einfachen Sandalen. Brinkmann wird uns in den nächsten 75 Minuten seine Geschichte erzählen - die Geschichte des Judas, die wir alle zu kennen glauben. (…) Vekemans lenkt den Blick auf eine vielseitige, auch widersprüchliche Persönlichkeit, auf eine facettenreiche Identität - kurz: auf den Menschen Judas in all seiner Komplexität. Denn er ist mehr als nur das Abziehbild eines Verräters. (…) Was Judas in Vekemans‘ Monolog unter Beweis zu stellen versucht, sind die ethisch-moralischen Kategorien, auf denen sein Denken beruht. Und das auf vielerlei Ebenen.(…) Und so steigt Brinkmann in eine erste philosophische Betrachtung ein: die Differenzierung zwischen Ehrlichkeit und Anständigkeit. Unehrlichkeit könne er ertragen, aber mangelnde Anständigkeit sei nicht akzeptabel. In einem der wenigen Eingriffe, den die Regie dem starken, aus sich heraus wirkenden Text hinzufügt, wird diese Differenzierung noch einmal musikalisch deutlich gemacht: Es geht nicht um ABBAs „Money, money, money“, das da jemand unehrlicherweise gespart hat, sondern um Edith Piafs „Je ne regrette rien.“ Man mag - mit ganz aktuellem Bezug zum heutigen Zeitgeist - ins Nachdenken kommen: über Materialismus und Gier, über moralische Maßstäbe in Wirtschaft und Politik. Vielfältig sind solche politischen oder philosophischen Bezüge. Brinkmann stellt seinen Judas als eine einfache, aber sensible und reflektierte Person dar. Er denkt nach über die Beurteilung des Menschen durch seine Umwelt: Ist der Wert des Menschen etwa abhängig von seiner Machtposition, von der Gestaltungsfreiheit, die er genießt, von seiner Religion? Ist es nicht vielmehr die Authentizität eines Individuums, die den Wert des Menschen bestimmt? (…) Lot Vekemans ist mit ihrem Text eine eindrucksvolle Rehabilitierung der Judas-Figur gelungen, und Johannes Brinkmann bringt den Monolog in Essen mit all seinen Facetten zum Klingen: wütend und poetisch, nachdenklich und impulsiv, pragmatisch und philosophisch, affirmativ und hinterfragend.“
Dietmar Zimmermann, theater:pur
„Der Rahmen war intim, die Begeisterung groß … Mit einem fulminanten Darsteller und einem beeindruckenden Stück kehrt die Studio Bühne nach erzwungener Pause zurück … Mit großer Präsenz gelingt es Johannes Brinkmann, das Publikum von der ersten Minute an zu berühren …. Zorn, Zweifel und Reue, Glück und Unglück, Selbstbewusstsein bis zur Arroganz und kleinlaute Scham liegen nahe beieinander. Er schwitzt und wispert, schreit und klagt, ist mal zornig, mal unglücklich und ringt mit jeder Faser seines Daseins um Verständnis“
WAZ
„Eindringliches Schauspiel überzeugt Zuschauer in Eisenach!“
Thüringer Allgemeine
Probenreportage über Stephan Rumphorsts Inszenierung des „Judas“ von Lot Vekeman mit Johannes Brinkmann in der Titelrolle in der Studio-Bühne Essen Dietmar Zimmermann für theater:pur: Rehabilitierung eines Verräters von Dietmar Zimmermann Vielleicht war es nur ein kleines Missverständnis, das zum Verrat führte, eine minimale Differenz zwischen Erwartung, Wahrnehmung und Realität. Judas vergötterte Jesus als seinen und des Volkes Führer, als „König der Juden“. Seine Erwartung: Jesus möge „die Römer niederschmettern“. Aktionen nach Kriegsherrenart also. Jesus aber lächelte. Er, vielleicht der erste Pazifist der Weltgeschichte, verstand sich als Friedensfürst. Und so kam es zur Katastrophe: zum Verrat, zur Verurteilung und zur Kreuzigung des Heilands. Aber halt: Wieso eigentlich Katastrophe? Was wäre, wenn diese Kreuzigung nie stattgefunden hätte? Älter geworden ist Judas in den Jahren seit seinem Tod, und wahrscheinlich hat er auch ein bisschen zugenommen. Wie ein Entertainer steht Johannes Brinkmann vor uns: mit weißem Schlips zu weißem Hemd und weißem Anzug. Und wie ein biblischer Jünger Jesu barfuß in einfachen Sandalen. Brinkmann wird uns in den nächsten 75 Minuten seine Geschichte erzählen - die Geschichte des Judas, die wir alle zu kennen glauben. Aber, so kündigt er sicherheitshalber schon mal an, er wird unsere Erwartungen nicht erfüllen. Damit hat Brinkmann geschickt unsere Erwartungen in die Höhe geschraubt. Um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, beginnt er erstmal mit ein oder zwei blöden Jesus-Witzen. Vermutlich nicht ganz absichtslos dauert es ein paar Minuten, bis es Brinkmann gelingt, Spannung aufzubauen. „Aber“, so erzählt er, „es gab einen, der das besonders gut konnte.“ Dessen Name wird an diesem Abend nicht fallen. Wir wissen, wer gemeint ist. Das zeugt nicht nur von der Prominenz des Meisters: Den Na